
| Alpha Centauri ist in mehrfacher Hinsicht ein
ganz besonderes Sternensystem. Zum einen ist es das nächste
Sternensystem im Weltall und hat schon deswegen immer wieder die
Fantasie von Filmemachern und Science Fiction-Autoren angeregt. Zum
anderen besteht es aus zwei Sternen, die der Sonne in mancherlei
Hinsicht verblüffend ähnlich sind. Könnte es auch bei Alpha Centauri
Planeten geben, vielleicht sogar erdähnliche? Und wären die Bedingungen
dort für Lebewesen geeignet? |
| Gerade wegen seiner Nähe ist uns heute viel über
Alpha Centauri bekannt. Noch wurden dort keine Planeten gefunden, aber
auch dieser Nachweis dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Auch ist Alpha Centauri einer der ganz wenigen Fixsterne, die in den
nächsten Jahrhunderten von unbemannten Raumsonden mit besseren
Raketenantrieben erreicht werden
könnten. Hier wollen wir zusammenfassen, was wir heute über unseren
nächsten
Nachbarn im All wissen und welche Aussichten bestehen, dort eines Tages
erdähnliche Planeten zu finden. |
Alpha Centauri A
|
Sternentyp: Spektralklasse: Entfernung: Leuchtkraft: Masse: Oberflächentemperatur: Alter: |
Gelber Zwerg G2V 4,4 Lichtjahre 1,5-fache Sonnenleuchtkraft 1,1 Sonnenmassen 5.800 K ca. 5 Milliarden Jahre |
| Der Hauptstern Alpha Centauri A könnte beinahe
als Zwilling unserer Sonne durchgehen. Er ist genau wie die Sonne ein
gelber G2-Stern in der Hauptreihe, nur um 10% massereicher und von sehr
ähnlicher chemischer Zusammensetzung mit um 50% höherem Anteil schwerer
Elemente. Allerdings leuchtet Alpha Centauri A um die Hälfte stärker
als die Sonne. Sein Alter wird von Astronomen bisher unterschiedlich
geschätzt, von 4,2 bis ca. 8 Milliarden Jahren. Die neueren Angaben
gehen jedoch von ungefähr 5 - 6 Milliarden Jahren aus. |
| Trotz der großen Ähnlichkeiten ist Alpha
Centauri A aber ohne Zweifel älter und heller als die Sonne. Dies
bedeutet, dass er in seiner stellaren Entwicklung weiter
fortgeschritten ist, was für mögliche Planeten von größter Bedeutung
ist. So gibt Alpha Centauri A deutlich mehr Licht ab als die Sonne.
Würde man in Gedanken die Sonne durch Alpha Centauri A ersetzen, so
würde die Erde bei gleichbleibender Entfernung durch Überhitzung
unbewohnbar. Die Zone, in der ein Planet ungefähr erdähnliche
Bedingungen aufweisen könnte, liegt heute ca. 1,1 - 2 mal weiter vom
Stern entfernt als die Entfernung Erde-Sonne. |
Alpha Centauri B
|
Sternentyp: Spektralklasse: Entfernung: Leuchtkraft: Masse: Oberflächentemperatur: Alter: |
Orangener Zwerg K4V 4,4 Lichtjahre 0,46-fache Sonnenleuchtkraft 0,85 Sonnenmassen 5.300 K ca. 5 Milliarden Jahre |
| Alpha Centauri B ist der kleine Bruder des
Hauptsterns (übrigens nicht Beta
Centauri, das ist wieder ein ganz anderer). Er ist ein orangener
K4-Stern von gleichem Alter und ähnlicher chemischer Zusammensetzung.
Man vermutet, dass Alpha Centauri A und B einen gemeinsamen Ursprung
haben und zurselben Zeit entstanden sind. |
| Alpha Centauri B leuchtet zwar nur halb so stark
wie die Sonne, hat aber dennoch eine Zone, in der erdähnliche
Bedingungen möglich wären. Sie liegt in diesem Fall näher am Stern, bei
ca. 0,6 - 0,8 Astronomischen Einheiten. |
Das Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B
|
Kombinierte Leuchtkraft: Durchschnittliche Entfernung: Geringste Entfernung: Größte Entfernung: Umlaufzeit: |
ca. 2-fache
Sonnenleuchtkraft 23,6 Astronomische Einheiten 11,4 Astronomische Einheiten 35,8
Astronomische Einheiten 79,9 Jahre |
| Alpha Centauri A und B bilden zusammen ein
Doppelsternsystem, in dem beide Sterne ihren gemeinsamen Schwerpunkt
umkreisen. Sie umrunden sich einmal in ca. 80 Jahren. Dabei sind sie
bei ihrer größten Annäherung immer noch 11,4mal weiter voneinander
entfernt als die Erde von der Sonne. Ihre größte Distanz ist 35,8
Astronomische Einheiten, das entspricht etwa der mittleren Entfernung
des Planeten Pluto von der Sonne. |
| Jeder für sich genommen wären Alpha Centauri A
und B
gute Kandidaten für terrestrische Planeten und Leben. Sie haben das
richtige Alter, die richtige chemische Zusammensetzung und Helligkeit
und sind beide langfristig stabil. Ihre Verbindung in einem
Doppelsystem macht die Sache jedoch kompliziert. Wie würde sich das
nach heutigem Kenntnisstand auswirken? |
| Einfache Annäherungen wie die von Benest (1998)
kommen zu dem Schluß, dass bei Doppelsternen, deren Massen fast
gleichmäßig aufgeteilt sind, planetare Umlaufbahnen innerhalb der
halben Periastrondistanz (6,7 Astronomische Einheiten für Alpha
Centauri) grundsätzlich stabil sein sollten. Jedoch scheint mir diese
Schätzung sehr ungenau und übertrieben optimistisch zu sein, auch weil
die Simulationen hier nur ein paar hundert Umläufe umfaßten. Andere
Simulationen ergaben, dass erdähnliche Planeten um Alpha Centauri A nur
dann langfristig bestehen können, wenn sie sich nicht weiter als 1,2
Astronomische Einheiten von ihm entfernt befinden. Nach Holtkamps
Versuchen (2001) wären Umlaufbahnen bis 2 Astronomische Einheiten um
Alpha Centauri A wohl noch stabil, während alle weiter entfernten
Startpunkte für Planeten irgendwann zum Absturz auf den Stern führten.
Ich denke, dass die Wirklichkeit wohl knapp darunter liegt, so dass
stabile Umlaufbahnen bis 1,5 Astronomische Einheiten wohl
realistischerweise als tragfähig gelten können. |
| Das ist der nächste Punkt, den wir
berücksichtigen müssen. Denn was nützen die besten stabilen
Umlaufbahnen, wenn sich dort gar keine Planeten formieren können? |
| Erste Simulationen von Heppenheimer (1978) sind
da eher ernüchternd. Nach seinen Berechnungen kann die Bildung von
Planeten nach dem Akkretionsmodell nur dann ablaufen, wenn die beiden
Partner eines Doppelsternsystems mindestens 50 Astronomische Einheiten
voneinander entfernt sind und
einer der beiden Sterne sehr klein ist. Nichts davon trifft auf Alpha
Centauri zu. Aber ist das wirklich das letzte Wort? Schließlich wurden
viele der neuen Exoplaneten als Teile von Binärsystemen entdeckt. |
| Tatsächlich sind die meisten Exoplaneten in
Doppelsystemen Begleiter von sehr weit voneinander entfernten
Sternenpaaren (Eggenberger u. a. 2003). Bei der großen Mehrheit sind
die stellaren Partner mehr als 100 Astronomische voneinander entfernt.
Einzige Ausnahme ist Gliese 86 mit einer Distanz von 20 AE; allerdings
umläuft der Planet hier den Hauptstern auf einer sehr engen Umlaufbahn
von nur 0,11 Astonomischen Einheiten. Es kann daher sehr gut sein, dass
sich Planeten auf erdähnlichen Umlaufbahnen in enger (< 100 AE)
zusammenstehenden Doppelsternsystemen in den meisten Fällen nicht
bilden können. Das würde Alpha Centauri als Kandidaten für
außerirdisches Leben ausschließen. |
| Doch ist diese Frage noch längst nicht
entschieden. Die Entdeckungen von Exoplaneten haben immer wieder
Überraschungen zutage gefördert, nach denen dann die Modelle zur
Planetenentstehung neu überarbeitet werden mußten. Galt z.B. die
Existenz jupitergroßer Planeten in direkter Nähe ihres Sterns noch 1994
als kaum vorstellbar, so fallen heute die meisten Exoplaneten in genau
diese Kategorie. Letztendlich wird sich die Frage nach Planeten von
Alpha Centauri nicht durch Modellrechnungen, sondern nur durch direkte
teleskopische Beobachtungen eindeutig klären lassen. Die Entwicklung
von Orbitalteleskopen zur Aufspürung von erdähnlichen Planeten, wie GAIA oder der Terrestrial Planet Finder, sind
dabei sehr vielversprechend. |
| Lassen wir uns also überraschen. |
Quellenangaben
Schatzer (1997): Alpha Centauri. a Candidate for Terrestrial Planets and Intelligent Life. Stellar Database: http://www.stellar-database.com |